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21 | Über die Grenze des Schachbretts

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21 | Über die Grenze des Schachbretts

Bild: Ein Schachbrett in Grundaufstellung steht idyllisch auf einem Bootssteg in einem dunkelgrünen Gewässer. Im Hintergrund wächst Schilf.(Quelle: Pixabay)


Spielen Sie Schach? Wenn ja – ausgezeichnet. Wenn nein, dann wird Sie dieser Artikel vielleicht trotzdem interessieren. Ich beschäftige mich darin nicht mit den Feinheiten des Schachspiels, sondern damit, was uns ein Schachbrett möglicherweise über unseren Verstand mitteilen kann.

Im Allgemeinen wird das Schachspiel ja als ausgezeichnetes Training für den Intellekt betrachtet. Warum ist das so? Was können wir von einem Schachbrett über den Verstand und seine Grenzen lernen?

 Zunächst kann man wohl sagen, dass das Prinzip des Schachspiels auf einer Zweiteilung beruht. Es gibt schwarze und weiße Felder und schwarze und weiße Figuren, die sich auf dem Brett bewegen.

Damit bildet das Schachspiel meiner Ansicht nach ganz wunderbar eine der Funktionen bzw. einen hauptsächlichen „Arbeitsauftrag“ unseres Verstandes ab. Der Verstand ist nämlich ein Experte fürs Unterscheiden. Mit  Hilfe des Verstandes können wir Grenzlinien ziehen, Kategorien bilden und „Schubladen“ schaffen, in welche wir die verschiedenen "Dinge" einordnen können. Der Intellekt hilft uns, Ordnung in die Welt zu bringen, die wir bewohnen. Als Werkzeug könnte man ihn eventuell mit einem Messer vergleichen. Mit einem Messer kann man Sachen zertrennen und zuschneiden, sie aber nicht zusammenfügen. Der Verstand tut sich leicht damit, Unterschiede zu erkennen. Mit Konzepten wie Einheit, Unendlichkeit und Ewigkeit hat er dagegen Probleme. Darum sagen wir ja auch umgangssprachlich: „Das Unendliche kann man sich nicht vorstellen.“

Nun zurück zu unserem Schachbrett: Das Schachbrett mit seinen 64 schwarzen und weißen Feldern bildet ein kleines Universum für sich. Es gibt nahezu unbegrenzte Zugmöglichkeiten. Auf einem Schachbrett herrschen ganz klare Regeln. Das Brett und die Regeln des Spiels bilden ein in sich geschlossenes System, wobei geschlagene Figuren für diesen Vergleich auch noch zum System gehören. Aber es gibt - wie das Foto dieses Artikels deutlich machen soll - auch einen Bereich außerhalb des Bretts und um das Brett herum. So ähnlich ist es auch mit unserem Verstand. Er ist der Herr in seinem eigenen Reich, kann aber keine zuverlässigen Aussagen darüber treffen, was sich außerhalb der Grenzen seines "Reiches" befindet. Nur, weil er über diese Bereiche nichts aussagen kann heißt es aber noch nicht, dass dort nichts ist. Hier nähern wir uns dem Bereich der Intuition. Ich verstehe unter Intuition die unmittelbare Wahrnehmung der Realität, wie sie ist, abseits von Ideen, Wünschen oder Konzepten.

Immer öfter kommt es vor, dass ich etwas weiß, ohne es intellektuell oder durch die Wahrnehmung meiner fünf Sinne begründen zu können. Dann fragt der Verstand sofort: „Woher weißt du das? Wo ist der Beweis dafür?“ Dann kann ich nur antworten: „Ich weiß es einfach.“

Für gewisse Aufgaben ist der Verstand wunderbar geeignet, aber eben nicht für alles kompetent bzw. die alleinige Instanz. Wenn wir ein Schachbrett als Symbol für das „Reich des Verstandes“ ansehen, könnten wir sagen, dass sich die intuitive Wahrnehmung außerhalb des Schachbretts befindet. Sie ist aber dennoch real und gültig. Ich habe das schon so oft erlebt, dass ich das ruhigen Gewissens sagen kann.

Zum Schluss sicherheitshalber noch eine Klarstellung: Ich habe überhaupt nichts gegen den Verstand. Wir brauchen ihn für unser Leben und Überleben hier auf der Erde. Er ist ein sehr nützliches, vielleicht sogar unentbehrliches  Hilfsmittel, aber er ist nicht der „Master of the Universe“, als der er manchmal gesehen wird.  Ohne den beratenden Einfluss der Intuition, die eine direkte Verbindung zu den größeren Zusammenhängen hat, kann er sogar zum „Master of Desaster“ werden. Darum brauchen wir beides – Intuition und Verstand.

Wie sehen Sie das? Waren Sie auch schon manchmal in einer Situation, in der Sie etwas einfach wussten, ohne es mit Ihrem Verstand begründen zu können? Oder hat Ihr Verstand sogar gesagt: „Nein, das kann nicht sein!“? Wenn Sie wollen, dann hinterlassen Sie Ihre Erfahrungen als Kommentar im Anschluss an diesen Artikel.

Dann können alle anderen LeserInnen und auch ich davon profitieren.

Lesen Sie hier mehr zum Thema Intuition

Passend zu diesem Artikel finden Sie hier weiterführende Informationen:
11 | Herz und Verstand
17 | Eindrücke vom 1. Wiener Intuitions-Kongress
28 | Eine Frage des Blickwinkels!
29 | Über die Grenze des Messbaren… 1
31 | Mit dem Unerwarteten rechnen

Und als Kontrast:
19 | 1 und Vieles


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06 | Der Berg und die Dörfer

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06 | Der Berg und die Dörfer

Bild: Himalaya-Panorama mit mehreren Bergspitzen teilweise von Nebel verhüllt. (Quelle: pixabay)


Nachdem bald das Weihnachtsfest gefeiert wird dachte ich mir, ich könnte mit Ihnen / euch einige Gedanken teilen, die mir zum Thema Religionen und „Gott“ gekommen sind.

Vor einigen Jahren ist das folgende bildhafte Gleichnis vor meinem geistigen Auge aufgetaucht:
Ich sehe einen sehr sehr großen Berg, und rund um diesen Berg liegen in größeren Abständen voneinander verschiedene Dörfer. Der Berg ist in Wolken gehüllt, so dass man seinen Gipfel nicht sehen kann. Ab und an machen sich aus dem einen oder anderen Dorf die eine oder der andere Abenteuerlustige auf, um den Berg zu ersteigen. Die Dörfer liegen in verschiedenen Klimazonen, das eine Dorf liegt vielleicht an einem Fluss, das andere am Rand der Wüste, ein drittes auf einem Hochplateau auf der ersten Terrasse des Berges. Und je nach der natürlichen Umgebung haben sich die Menschen unterschiedlich entwickelt, haben unterschiedliche Gebräuche, unterschiedliche Sprachen, unterschiedliche Ansichten über die Welt. Nun machen sich immer wieder einzelne Personen aus diesen Dörfern zum Gipfel auf, und sie kommen dann auch zurück und berichten den BewohnerInnen ihres Dorfes darüber, was sie gesehen haben. Nachdem sie etwas Großartiges, Einzigartiges gesehen und erlebt haben, ist es im Grunde unmöglich in Worte zu fassen. Aber weil sie es ihren Mitmenschen gerne auch zugänglich machen möchten, versuchen Sie, es zu beschreiben. Für ihre Beschreibung bedienen Sie sich der Begriffe und Formulierungen, mit denen die BewohnerInnen ihres Dorfes vertraut sind und etwas anfangen können. Daher unterscheiden sich die Beschreibungen von dem, was auf dem Berg vorgefunden wurde von Dorf zu Dorf voneinander. Von manchen wird dieser, von den anderen ein anderer Aspekt betont. Die Berichte der Wanderer werden manchmal aufgeschrieben oder es entsteht eine mündliche Tradition der Überlieferung.

Schon einige Generationen, nachdem die Wanderer selbst gestorben sind, haben sich gewisse Gebräuche und Traditionen und konkrete Regeln rund um ihre eigentlichen Botschaften gebildet und so werden die Abweichungen der Traditionen in den verschiedenen Dörfern größer. Wenn manchmal Kontakte von einem Dorf zum anderen herrschen, dann erzählen sich die Bewohner der Dörfer gegenseitig von den Berichten der Wanderer und von ihren Traditionen dazu. Oftmals geraten sie dann in Streit darüber, welcher Bericht nun der „wahrste“ ist. Erbitterte Streitgespräche werden  darüber geführt, und es soll auch schon zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den Dörfern gekommen sein.

Allerdings gibt es auch immer wieder Bewohner der Dörfer, welche den Entschluss fassen, selbst den Berg zu besteigen um herauszufinden, was dort oben ist und was es mit den alten Überlieferungen auf sich hat.

In diesem Gleichnis steht der Berg für das „Leben“ oder „Gott“. Die Dörfer stehen für die verschiedenen Religionen beziehungsweise spirituellen Traditionen, und die Bewohner der Dörfer – naja - die stehen für uns alle. Zum Glück steht es uns allen ohne Ausnahme offen, selbst auf den Berg zu steigen. Der Weg auf den Berg ist nämlich in uns selbst zu finden. Es ist also vielmehr eine Reise nach Innen, und nicht ein Weg nach außen oder nach oben - jedenfalls meiner Meinung nach. Es gibt viele Wege zu einer „höheren“ Wirklichkeit. Vielleicht fühlen sich einige auf dem einen Weg wohler, manche gehen lieber einen anderen. Alle Wege treffen sich auf dem Gipfel.

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